Paris lässt sich auch vom Mittagstisch aus entdecken. Ein Restaurant gibt den Tagesrhythmus vor, die Straßen ringsum liefern die Geschichten dazu. Zwischen Einkaufspassagen, Montmartre und Montparnasse führt diese Reise zu großen Speisesälen und französischer Alltagsküche – mit genügend Zeit, um nach dem Essen noch ein Stück Stadt kennenzulernen.
Fünf Tage, fünf Mittagessen: Drei Etappen führen in heutige Bouillons, zwei ergänzen das Bild durch ein Bistro und eine Brasserie mit Bouillon-Vergangenheit. Die Tage lassen sich einzeln unternehmen und beliebig anordnen. Alle Restaurantbesuche sind für die Mittagszeit vorgesehen.
Wie aus einer Fleischbrühe eine Pariser Institution wurde
Das französische Wort bouillon bezeichnet zunächst eine Brühe. Im Paris des 19. Jahrhunderts wurde daraus auch der Name eines Restauranttyps: warme, sättigende Mahlzeiten zu Preisen, die für ein breites Publikum erreichbar sein sollten. Die mit dem Namen Duval verbundenen Betriebe gehören zu den frühen Wegbereitern. Große Säle, eine auf viele Gäste abgestimmte Küche und eine zügige Bedienung machten das Modell wirtschaftlich.
Die historischen Darstellungen unterscheiden sich beim genauen Gründungsjahr und sogar beim Vornamen des frühen Duval-Unternehmers. Sicherer ist deshalb die Einordnung in die Mitte des 19. Jahrhunderts. Ein jüngerer Bericht mit einem Bouillon-Historiker nennt 1855. Hintergrund zur Geschichte der Bouillons.
1896 eröffneten die Brüder Camille und Frédéric Chartier ihr Restaurant. An diesem Beispiel zeigt sich, wie gut einfache Küche und ein eindrucksvoller Speisesaal zusammenpassen konnten. Heute gehören die historischen Räume selbst zum Erlebnis. Geschichte der Familie Chartier.
Im 20. Jahrhundert verloren viele Bouillons ihre ursprüngliche Funktion. Mit Neueröffnungen wie dem Bouillon Pigalle von 2017 wurde die Idee wieder sichtbar: klassische Gerichte, viele Plätze und ein vergleichsweise erschwingliches Essen. Allerdings bezeichnet der historische Name heute unterschiedliche Konzepte. Eine prachtvolle Brasserie muss deshalb nicht dieselben Preise haben wie ein ausdrücklich preisorientiertes Bouillon. Bouillon Pigalle: Konzept und Geschichte.
Tag 1: Chartier und die überdachten Passagen
Mittagessen: Bouillon Chartier Grands Boulevards, gegen 11:30 Uhr.

Der erste Tag beginnt mit dem Paris der Schaufenster und Glasdächer. Die Passage Jouffroy und die gegenüberliegende Passage des Panoramas liegen nahe beieinander. Hier lässt sich ohne großes Besichtigungsprogramm durch Geschäfte und Auslagen stöbern. Die Passage des Panoramas geht auf 1799 zurück. Für den Vormittag genügt es, sich auf diese beiden Passagen zu beschränken. Informationen zu Jouffroy und zur Passage des Panoramas.
Mittags führt der Weg zum Chartier in der Rue du Faubourg Montmartre. Der historische Saal ist der passende Auftakt für die Reise: Hier wird verständlich, weshalb die Bouillons zugleich Speiselokal und städtischer Treffpunkt waren. Wer diesen Restauranttyp kennenlernen möchte, sollte Zeit zum Beobachten mitbringen und keine stille Umgebung erwarten.
Ein sinnvoller Einstieg in die Speisekarte ist ein klassisches Vorgericht, gefolgt von einem Tagesgericht. Es müssen nicht an jedem Reisetag drei Gänge sein. Chartier wirbt mit der Möglichkeit, für weniger als 20 Euro zu essen. Das ist keine Zusage für jede Zusammenstellung oder für Getränke und Kaffee.
Adresse: 7 Rue du Faubourg Montmartre, 75009 Paris. Laut Betreiber täglich 11:30–24:00 Uhr, durchgehend und ohne Reservierung. Früh zu kommen kann die Planung erleichtern; eine bestimmte Wartezeit lässt sich nicht versprechen. Restaurant und aktuelle Karte.
Nach dem Essen bleiben die Grands Boulevards als kurzer Spaziergang. Wer ein festes Nachmittagsziel möchte, kann das nahe Musée Grévin einplanen. Die Opéra Garnier ist eine zusätzliche Verlängerung, kein notwendiger Bestandteil dieses Tages. Kurze Variante: Passagen, Mittagessen und anschließend eine Pause.
Tag 2: Pigalle und der Blick über Paris
Mittagessen: Bouillon Pigalle, gegen 12:00 Uhr.

Montmartre lohnt einen eigenen Vormittag. Rund um die Place des Abbesses lässt sich beginnen; wer weiter hinauf möchte, erreicht die Umgebung von Sacré-Cœur auch mit der Standseilbahn. Sie erspart einen langen Treppenaufstieg. Die Wege auf dem Hügel bleiben jedoch teilweise steil und gepflastert. Ein Ausflug hierher ist deshalb nicht automatisch barrierefrei. Standseilbahn und Umgebung.
Zum Mittag geht es wieder hinunter zum Boulevard de Clichy. Das 2017 eröffnete Bouillon Pigalle zeigt die heutige Weiterentwicklung des Konzepts. Hier steht die Verbindung aus traditioneller Küche und einem großen, zeitgemäß betriebenen Restaurant im Mittelpunkt.
Adresse: 22 Boulevard de Clichy, 75018 Paris. Die Website nennt grundsätzlich 12:00–24:00 Uhr; im Fußbereich weist sie für Wochenenden und Feiertage einen Beginn um 11:30 Uhr aus. Mit 12:00 Uhr liegt der vorgeschlagene Mittagstermin innerhalb beider Angaben. Reservierungen sind inzwischen möglich. Beim Buchen ausdrücklich Pigalle auswählen. Offizielle Informationen und Reservierung.
Nach dem Essen genügt ein Bummel in Richtung Rue des Martyrs. Wer am Vormittag bereits auf Montmartre unterwegs war, muss am Nachmittag keinen zweiten großen Rundgang anhängen. Kurze Variante: im unteren Viertel bleiben und den Hügel auslassen.
Tag 3: Aux Bons Crus und das alltägliche Paris
Mittagessen: Aux Bons Crus, gegen 12:30 Uhr.

Heute verlassen wir die eigentlichen Bouillons. Aux Bons Crus ist ein Bistro im Stil der französischen Routiers: jener Gasthäuser, die für eine unkomplizierte, kräftige Mahlzeit stehen. Der Abstecher erweitert das Thema um die Frage, wie traditionelle Alltagsküche außerhalb der großen Speisesäle weiterlebt.
Der Vormittag kann an der Place de la Bastille beginnen. Über die Rue de la Roquette und die Seitenstraßen führt der Weg ins elfte Arrondissement. Wer einen zusätzlichen Bummel möchte, nimmt die Rue de Charonne dazu. Die Passage Lhomme ist ein möglicher kurzer Abstecher, sofern sie vor Ort zugänglich ist; bitte Rücksicht auf Anwohner und Gewerbetreibende nehmen.
Das Restaurant beschreibt sich selbst als Bistro mit dem Label „Les Routiers“. Auf der Website stehen klassische Gerichte wie gefüllter Kohl oder Kalbskopf neben einem Wochenmenü. Das dort genannte Mittagsmenü kostet zum Recherchestand 22 Euro. Welche Bestandteile enthalten sind und an welchen Tagen es angeboten wird, sollte bei der Reservierung geklärt werden.
Adresse: 54 Rue Godefroy Cavaignac, 75011 Paris. Laut Website täglich mittags 12:00–14:30 Uhr; eine Reservierung ist über das Formular möglich. Telefon: +33 1 45 67 21 13. Restaurant, Karte und Reservierung.
Als längere Nachmittagsoption bietet sich die Coulée verte René-Dumont an, die ehemalige „Promenade plantée“. Teile dieses begrünten Weges verlaufen auf einer früheren Bahntrasse oberhalb der Straßen. Sie liegt im zwölften Arrondissement und ist ein zusätzlicher Weg, nicht direkt vor der Restauranttür.
Wichtig bei eingeschränkter Mobilität: Den Status der Zugänge und Aufzüge vor dem Besuch prüfen. Zugänge, Aufzüge und Öffnungszeiten.
Kurze Variante: Nach dem Essen im Viertel bleiben und die Hochpromenade auslassen.
Tag 4: Café du Commerce und die Geschichte eines Arbeiterviertels
Mittagessen: Le Café du Commerce, gegen 12:30 Uhr.

Wer den Tag mit einem bekannten Pariser Motiv beginnen möchte, startet am Champ de Mars mit Blick auf den Eiffelturm. Anschließend geht es in Richtung Rue du Commerce. Der Reiz dieser Verbindung liegt im Wechsel vom großen Wahrzeichen zum alltäglichen Stadtviertel. Für den Restauranttermin sollte der Weg nicht erst kurz vor halb eins begonnen werden.
Das Café du Commerce wurde nach seiner Hausgeschichte 1921 als „Aux Mille Couverts“ eröffnet und versorgte Arbeiter der Automobilindustrie im Viertel Javel–Grenelle. Heute ist es eine Brasserie. Seine Vergangenheit gehört zur Bouillon-Geschichte, ohne dass daraus ein heutiges Billigpreisversprechen folgt. Geschichte des Restaurants.
Das Haus wird inzwischen im Portfolio der Gruppe Joulie geführt. Café du Commerce bei Groupe Joulie.
Adresse: 51 Rue du Commerce, 75015 Paris. Laut Restaurant täglich 11:30–23:00 Uhr, durchgehend; Reservierung online oder unter +33 1 45 75 03 27. Für die Auswahl und das Budget zählt die aktuelle Karte. Den alten Preisvergleich mit Chartier und Pigalle sollte man nicht zur Reiseplanung verwenden. Restaurant und Reservierung.
Nachmittags ist die Seine eine mögliche Verlängerung. Auf der Île aux Cygnes steht eine kleinere Fassung der Freiheitsstatue. Der Weg zur Insel und über sie ist ein eigener Spaziergang. Wer kürzer gehen möchte, bleibt im Viertel oder beschränkt sich auf einen Blick vom Ufer. Hintergrund zu den Pariser Inseln.
Tag 5: Montparnasse und die Rückkehr zur Bouillons
Mittagessen: Bouillon Chartier Montparnasse, gegen 11:30 Uhr.

Für den letzten Vormittag bietet sich der Jardin du Luxembourg an. Ein kurzer Rundgang und eine Pause reichen vollkommen aus. Vom Park geht es anschließend in Richtung Boulevard du Montparnasse. Die saisonal wechselnden Öffnungszeiten des Parks stehen auf der Website des Jardin du Luxembourg.
Das heutige Chartier Montparnasse wurde 1903 eröffnet. Später war das Haus unter anderem als „Montparnasse 1900“ bekannt; 2019 kehrte es als Bouillon Chartier zurück. Der Jugendstilsaal macht diese Etappe zu einem passenden Abschluss: Hier lässt sich die wechselvolle Geschichte eines Restauranttyps an einem konkreten Ort nachvollziehen. Hausgeschichte und Besuchsinformationen.
Praktisch: 59 Boulevard du Montparnasse, 75006 Paris. Laut Betreiber täglich 11:30–24:00 Uhr, durchgehend und ohne Reservierung. Auch hier hängen die tatsächlichen Kosten von der Bestellung ab. Die aktuellen Gerichte sind über die Restaurantseite verlinkt.
Nach dem Essen bietet der Friedhof Montparnasse einen ruhigeren Gegenpol. Dort liegen unter anderem Simone de Beauvoir und Jean-Paul Sartre begraben. Es ist ein Ort des Gedenkens, den man entsprechend zurückhaltend besucht. Zugang und Öffnungszeiten sowie Spaziergang auf den Spuren Simone de Beauvoirs.
Kurze Variante: entweder den Park am Vormittag oder den Friedhof am Nachmittag wählen. Beide Ziele sind Ergänzungen; das Mittagessen bleibt der Mittelpunkt.
Für alle. die noch nicht genug haben und einen Tag länger bleiben wollen:

Bouillon Racine: 3 Rue Racine, 75006 Paris. Das 1906 gegründete Haus beeindruckt durch sein Jugendstil-Flair und versteht sich heute als Restaurant mit anspruchsvollerer französischer Küche.
Es ist eine Alternative für einen Mittag im Quartier Latin, etwa in Verbindung mit dem Musée de Cluny oder dem Jardin du Luxembourg. Die Website nennt täglich 12:00–24:00 Uhr und bietet Reservierung an; genaue Küchenzeiten und aktuelle Preise beim Buchen prüfen. Bouillon Racine.
So bleibt die Reise genussvoll
Planen Sie pro Tag ein Mittagessen und höchstens ein größeres Besichtigungsziel. Die Spaziergänge sind Vorschläge, keine vollständig geprüften barrierefreien Routen. Gerade Montmartre, historische Restaurants und Zugänge zu erhöhten oder tiefer liegenden Wegen verdienen eine gesonderte Prüfung. Bei Bedarf vorab nach stufenlosem Zugang, Toiletten und einem gut erreichbaren Tisch fragen.
Die vorgeschlagenen Ankunftszeiten zwischen 11:30 und 12:30 Uhr lassen Raum für die Mittagsatmosphäre. Wer Ruhe braucht, sollte nach einem ruhigeren Platz fragen und bei Restaurants ohne Reservierung einen Zeitpuffer einplanen. Museumstickets nicht unmittelbar an das erwartete Ende des Essens anschließen.
Paris muss auf dieser Reise nicht vollständig besichtigt werden. Es genügt, fünfmal bewusst zu Mittag zu essen und dabei unterschiedliche Seiten der Stadt kennenzulernen: den historischen Speisesaal, das erneuerte Bouillon, das Bistro und die Brasserie. Der nächste Programmpunkt darf dann auch einfach eine Bank im Park sein.
Quellen und redaktioneller Hinweis
Ausgangspunkt war der von einem Leser bereitgestellte, der FAZ zugeordnete Text „Die Kraftbrühenquelle des kleinen Mannes – Pariser Suppenküche“. Autor und Erscheinungsdatum sind aus der vorliegenden PDF-Fassung nicht ersichtlich. Er dient als historische Anregung; damalige Bewertungen, Preise und Betreiberangaben wurden nicht als aktuelle Empfehlungen übernommen.
Dieser Beitrag wurde eigenständig formuliert. Er enthält keine übernommenen FAZ-Fotos, keinen PDF-Abdruck und keine längeren Textzitate. Die aktuellen Restaurantinformationen stammen aus den jeweils verlinkten Betreiberseiten; ergänzend wurden Paris je t’aime, die Stadt Paris und die Website des Jardin du Luxembourg herangezogen. Die Bildquellen werden bei den eingesetzten Bildern einzeln ausgewiesen. Historische Aufnahmen zeigen den jeweils angegebenen Aufnahmezeitpunkt.
Recherche- und Planungsstand: 6. November 2026. Dieser Beitrag ist ein recherchierter Reisevorschlag, kein Bericht über eigene Restaurantbesuche. Öffnungszeiten und Angebote können sich ändern.
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