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Gendern ohne Sternchen? Ein ungewöhnlicher Vorschlag sorgt für Aufmerksamkeit

Gibt es eine verständliche Alternative zu Gendersternchen und Doppelpunkt? Die Phettberg-Methode verfolgt einen ungewöhnlichen Ansatz: Sie möchte Personen geschlechtsneutral bezeichnen – ganz ohne Sonderzeichen. Ein verständlicher Überblick über eine spannende Idee.

Bild: ChatGPT

Die Diskussion über geschlechtergerechte Sprache gehört inzwischen fast zum Alltag. Ob in Zeitungen, Behörden, Schulen oder Unternehmen – überall wird darüber gesprochen, wie Menschen möglichst respektvoll und gleichzeitig verständlich angesprochen werden können. Während die einen das Gendern als wichtigen Schritt zu mehr Gleichberechtigung ansehen, empfinden andere die verschiedenen Schreibweisen als umständlich oder schwer lesbar.

Besonders für viele ältere Menschen sind Formen wie „Leser:innen“, „Bürger*innen“ oder „Teilnehmer:innen“ ungewohnt. Sie unterbrechen den Lesefluss und werfen die Frage auf, ob es nicht auch eine einfachere Lösung geben könnte. Tatsächlich gibt es einen Ansatz, der genau dieses Ziel verfolgt und immer wieder mal verstärkt Aufmerksamkeit erhalten hat: das sogenannte „Entgendern nach Phettberg“, das vom Sprachwissenschaftler Thomas Kronschläger (Germanist und Sprachdidaktiker an der Technischen Universität Braunschweig) wissenschaftlich beschrieben und weiterentwickelt wurde.

Wenn das Geschlecht gar keine Rolle spielt

Im täglichen Leben sprechen wir häufig über Menschen, ohne dass deren Geschlecht für den eigentlichen Inhalt wichtig wäre. Wer beispielsweise einen Arzttermin vereinbart, weiß oft noch gar nicht, ob die Behandlung später von einer Ärztin oder einem Arzt durchgeführt wird. Ähnlich verhält es sich bei Lehrkräften, Handwerkern oder Nachbarn. Trotzdem verlangt die deutsche Sprache meist eine Entscheidung zwischen einer männlichen und einer weiblichen Form.

In den vergangenen Jahren sind deshalb zahlreiche Varianten entstanden. Manche schreiben beide Formen aus, andere verwenden Sternchen, Doppelpunkt oder Unterstrich. Wieder andere greifen zu Umschreibungen wie „die behandelnde Person“ oder „die Lehrkraft“. Jede dieser Lösungen hat ihre Vor- und Nachteile, und keine hat sich bislang überall durchgesetzt.

Eine Idee mit einem einzigen Buchstaben

Hier setzt die Phettberg-Methode an. Ihre Grundidee ist erstaunlich einfach: Statt zwischen männlichen und weiblichen Formen zu unterscheiden, wird eine neue, geschlechtsneutrale Personenbezeichnung geschaffen. Dazu wird die Endung des Wortes durch ein „y“ ersetzt.

Aus „der Leser“ und „die Leserin“ wird beispielsweise „das Lesy“. Mehrere Leserinnen und Leser heißen entsprechend „die Lesys“. Nach demselben Prinzip entstehen Begriffe wie „das Arzty“, „das Lehry“ oder „das Bäcky“.

Wer diese Wörter zum ersten Mal liest, muss sich sicherlich zunächst daran gewöhnen. Andererseits waren auch viele andere sprachliche Neuerungen anfangs ungewohnt. Sprache verändert sich schließlich nicht von heute auf morgen, sondern entwickelt sich Schritt für Schritt.

Woher stammt diese Idee?

Der Name der Methode geht auf den österreichischen Künstler und Kolumnisten Hermes Phettberg zurück. Er verwendete diese neutrale Sprachform bereits in den 1990er-Jahren. Thomas Kronschläger griff den Gedanken später auf, untersuchte ihn wissenschaftlich und entwickelte daraus ein konsistentes System, das sich grundsätzlich auf nahezu alle Personenbezeichnungen anwenden lässt.

Dabei verfolgt die Methode einen anderen Ansatz als viele heutige Formen des Genderns. Sie möchte nicht beide Geschlechter gleichzeitig sichtbar machen, sondern das Geschlecht dort ausblenden, wo es für den Inhalt keine Bedeutung hat.

Welche Vorteile sehen die Befürworter?

Anhänger dieser Sprachform verweisen vor allem auf ihre Einfachheit. Es gibt keine Sternchen, Doppelpunkte oder Unterstriche, die beim Lesen oder Vorlesen den Sprachfluss unterbrechen. Die Wörter bleiben kurz und lassen sich konsequent nach demselben Prinzip bilden.

Außerdem werden alle Menschen mit derselben Bezeichnung angesprochen. Niemand wird sprachlich bevorzugt oder benachteiligt, weil die Personenbezeichnung unabhängig vom Geschlecht verwendet wird.

Gerade Menschen, die mit den bisherigen Genderformen Schwierigkeiten haben, sehen darin deshalb eine interessante Alternative.

Warum gibt es trotzdem Kritik?

So einfach die Idee erscheint, ganz ohne Einwände kommt sie nicht aus. Viele Menschen empfinden Begriffe wie „Lehry“ oder „Arzty“ zunächst als ungewohnt oder sogar etwas verniedlichend. Andere stören sich daran, dass der Artikel „das“ verwendet wird, weil dies im Deutschen normalerweise für Sachen oder abstrakte Begriffe verwendet wird und deshalb auf manche Menschen unpersönlich wirkt.

Hinzu kommt, dass sich diese Sprachform bisher kaum im Alltag etabliert hat. Weder Behörden noch Schulen oder Medien verwenden sie regelmäßig. Sie ist deshalb gegenwärtig eher ein sprachwissenschaftlicher Vorschlag als eine allgemein anerkannte Schreibweise.

Wird sich diese Methode durchsetzen?

Darauf gibt es heute keine verlässliche Antwort. Die Geschichte der deutschen Sprache zeigt jedoch, dass sich Veränderungen selten planen lassen. Manche neuen Begriffe verschwinden nach kurzer Zeit wieder, andere werden nach und nach selbstverständlich und irgendwann kaum noch hinterfragt.

Ob das auch für die Phettberg-Methode gilt, wird letztlich nicht von Sprachwissenschaftlern oder Politikern entschieden, sondern von den Menschen, die Sprache täglich verwenden. Nur wenn eine neue Form als praktisch und verständlich empfunden wird, hat sie eine Chance, sich dauerhaft durchzusetzen.

Ein interessanter Denkanstoß

Unabhängig davon, wie man persönlich zum Gendern steht, lohnt sich ein Blick auf diesen ungewöhnlichen Vorschlag. Er zeigt, dass die Diskussion weit mehr Möglichkeiten kennt als Sternchen oder Doppelpunkte und dass sich viele Menschen Gedanken darüber machen, wie Sprache gleichzeitig respektvoll und gut verständlich bleiben kann.

Vielleicht wird sich das „Lesy“ niemals im Alltag durchsetzen. Vielleicht entsteht daraus aber auch eine neue Idee, die eines Tages selbstverständlich erscheint. Sicher ist nur eines: Sprache lebt davon, dass Menschen sie benutzen – und manchmal auch den Mut haben, neue Wege auszuprobieren.


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