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Die Fellnase – ein anatomisches Missverständnis

Ich möchte heute über ein Problem sprechen, das lange genug ignoriert worden ist.

Die Fellnase.

Man begegnet ihr inzwischen überall. Vorzugsweise in Lokalzeitungen, Tierheimberichten und Meldungen über entlaufene Haustiere.

„Die kleine Fellnase sucht ein neues Zuhause.“

„Wer hat diese Fellnase gesehen?“

„Unsere Fellnasen freuen sich über Futterspenden.“

Ich habe nichts gegen Tiere. Im Gegenteil. Ich habe in meinem Leben zahlreiche Hunde kennengelernt, einige davon persönlich. Auch Katzen waren darunter, wenngleich die Beziehung zu einer Katze bekanntlich erst dann als zustande gekommen gilt, wenn die Katze dies bestätigt hat.

Aber ich habe noch nie eine Fellnase gesehen.

Hunde haben Fell. Katzen haben Fell. Beide haben Nasen.

Nur befindet sich auf der Nase in aller Regel kein Fell.

Das ist keine Spitzfindigkeit. Das ist Anatomie.

Niemand käme schließlich auf die Idee, einen älteren Herrn als „Haarohr“ zu bezeichnen, nur weil er sowohl Haare als auch Ohren besitzt. Obwohl diese Bezeichnung bei einem Teil meiner Altersgruppe anatomisch sogar wesentlich besser begründet wäre als die Fellnase beim Labrador.

Bei Katzen war die deutsche Sprache früher übrigens erstaunlich präzise. Man nannte sie „Samtpfoten“.

Das ist hübsch. Das ist anschaulich. Und vor allem: Katzen haben tatsächlich Pfoten.

Bei Hunden wird es schwieriger. „Vierbeiner“ wäre möglich, ist aber zoologisch etwas großzügig. Darunter fallen schließlich auch Kühe, Elefanten und nach einem langen Abend unter ungünstigen Umständen einzelne Menschen.

„Wauwau“ scheidet ab einem gewissen Bildungsniveau aus.

„Hund“ hingegen wäre geradezu ideal.

Ein kurzes Wort. Vier Buchstaben. Seit Jahrhunderten erprobt. Praktisch verwechslungsfrei.

Aber offenbar kann man heute in einer Zeitung nicht mehr schreiben:
„Der Hund Bruno wird seit Dienstag vermisst.“
Das klingt vermutlich zu kalt.

Also muss es heißen:
„Seit Dienstag wird die liebenswerte Fellnase Bruno schmerzlich vermisst.“

Damit ist Bruno zwar immer noch weg, aber wenigstens emotional aufgewertet.

Überhaupt scheint mir die Fellnase Teil einer größeren sprachlichen Entwicklung zu sein. Tiere dürfen offenbar nicht mehr einfach Tiere sein. Sie sind Familienmitglieder, Seelentröster, treue Begleiter und eben Fellnasen.

Dem Hund selbst dürfte das gleichgültig sein.

Er reagiert auf „Bruno“, „Komm“, das Geräusch einer geöffneten Kühlschranktür und auf Dinge, die wir nicht hören können.

Auf „Fellnase“ vermutlich eher nicht.

Ich habe deshalb einen Vorschlag.
Wir kehren zu einer einfachen sprachlichen Ordnung zurück.

Eine Katze darf Katze heißen. Gelegentlich auch Samtpfote, wenn es unbedingt etwas poetischer sein soll.

Ein Hund darf Hund heißen.
Ein Dackel sogar Dackel.
Und wenn wir unsere besondere Zuneigung ausdrücken möchten, können wir sagen: „unser lieber Hund Bruno“.

Das hat jahrhundertelang funktioniert.

Die Fellnase hingegen würde ich gern in den wohlverdienten sprachlichen Ruhestand schicken.

Dort könnte sie gemeinsam mit „den lieben Kleinen“, „unseren Vierbeinern“ und der Formulierung „für das leibliche Wohl ist bestens gesorgt“ ihren Lebensabend verbringen.

Natürlich artgerecht.

Prof. Dr. Heinz C. Schabulke
Emeritierter Spezialist für Geronto-Pedalogie
Ehemaliger Managing Director senior-tours.de
Institut für angewandte Altersmobilität,
Abteilung Rückenwindforschung

P.S.: Meine Assistentin Kadin Hortlak weist mich darauf hin, dass Hunde selbstverständlich Fell an der Schnauze besitzen. Ich habe ihr erklärt, dass dies mein Argument sogar stützt. Die Tiere heißen schließlich auch nicht „Fellschnauzen“.

Prof. Dr. Heinz C. Schabulke - Seniorenbeirat Aar-Einrich
Emeritierter Spezialist für Geronto-Pedalogie. Forscht seit Jahrzehnten über das Älterwerden, Rückenwind und andere unterschätzte Wissenschaften. Seine Theorien sind umstritten. Seine Existenz auch.

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