Wenn Straßen und Gehwege im Winter plötzlich spiegelglatt werden, kann schon der Weg zum Briefkasten zur Herausforderung werden. Gerade für ältere Menschen ist ein Sturz nicht nur unangenehm. Verletzungen an Hüfte, Schulter oder Handgelenk können erhebliche Folgen haben.
Eine erstaunlich einfache Methode kann helfen, das Sturzrisiko zu verringern: Gehen wie ein Pinguin. Was zunächst ein wenig kurios klingt, wird von der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie (DGOU) ausdrücklich empfohlen.
Warum wir auf Glatteis so leicht ausrutschen
Beim normalen Gehen machen wir etwas, über das wir kaum nachdenken: Wir setzen einen Fuß vor den anderen und verlagern dabei ständig unser Körpergewicht. Für einen kurzen Moment befindet sich der Körperschwerpunkt nicht genau über dem Fuß, der unser Gewicht trägt.
Auf einem trockenen Gehweg ist das überhaupt kein Problem. Die Reibung zwischen Schuh und Boden gibt uns Halt.
Auf Eis kann dieser Halt jedoch schlagartig fehlen. Der Fuß rutscht weg, während sich unser Körper bereits weiterbewegt. Besonders gefährlich ist ein Wegrutschen nach vorne: Der Körper kippt nach hinten und ein Sturz auf Rücken oder Hinterkopf kann die Folge sein.
Genau hier setzt der sogenannte Pinguin-Gang an.
Der entscheidende Unterschied liegt im Schwerpunkt
Wer einen Pinguin beobachtet, erkennt schnell seinen etwas eigenwilligen Gang. Er macht kleine Schritte, setzt die Füße relativ flach auf und verlagert seinen Körper jeweils über das Bein, das gerade den Boden belastet.
Für uns Menschen bedeutet das: Der Oberkörper wird leicht nach vorne geneigt und der Körperschwerpunkt möglichst über dem vorderen, auftretenden Bein gehalten.
Der Fuß wird dabei nicht wie beim normalen Gehen zuerst mit der Ferse weit vor dem Körper aufgesetzt. Stattdessen setzt er möglichst mit der ganzen Sohle auf. Die Schritte bleiben klein und langsam.
Dadurch befindet sich das Körpergewicht stärker über dem Fuß, der gerade Halt auf dem Boden finden soll. Die Bewegung wird kontrollierter und die Gefahr geringer, dass die Füße plötzlich nach vorne wegrutschen.
Die DGOU fasst das Prinzip entsprechend zusammen: langsam gehen, kleine Schritte machen, den Fuß mit ganzer Sohle aufsetzen und den Schwerpunkt über das vordere Bein bringen.

So funktioniert der Pinguin-Gang
Man muss dafür keine besondere Technik erlernen. Ein Bild im Kopf reicht meistens schon: Stellen Sie sich einfach vor, Sie wären ein Pinguin.
Gehen Sie sehr langsam und machen Sie deutlich kleinere Schritte als gewöhnlich. Neigen Sie den Oberkörper ein wenig nach vorne und setzen Sie den jeweils vorderen Fuß möglichst flach mit der ganzen Sohle auf. Der Fuß darf dabei leicht nach außen zeigen.
Wichtig ist vor allem, nicht hektisch zu werden. Große Schritte und schnelle Richtungswechsel sind auf glattem Untergrund genau das Gegenteil dessen, was wir brauchen.
Auch die Hände sollten bei Glatteis möglichst nicht in den Jackentaschen stecken. Freie Arme helfen beim Ausbalancieren. Sollte man trotz aller Vorsicht stürzen, können sie außerdem dabei helfen, einen ungebremsten Sturz auf den Hinterkopf zu vermeiden.
Für ältere Menschen besonders wichtig
Mit zunehmendem Alter können Gleichgewicht, Muskelkraft und Reaktionsfähigkeit nachlassen. Gleichzeitig haben Stürze häufig schwerwiegendere Folgen.
Die DGOU weist darauf hin, dass in den Wintermonaten die Zahl schwer verletzter Menschen über 70 Jahre infolge von Stürzen deutlich steigt. Besonders problematisch sind Verletzungen an Hüfte und Kopf.
Der Pinguin-Gang ist deshalb keine nette Winter-Spielerei. Er ist eine sehr einfache Form der Sturzprävention, die sich praktisch jeder merken kann.
Allerdings macht auch der beste Pinguin-Gang einen spiegelglatten Gehweg nicht ungefährlich.
Schuhe mit einem guten Profil bleiben wichtig. Bei starker Glätte können zusätzlich sogenannte Schuh-Spikes oder Anti-Rutsch-Sohlen helfen. Wo ein Geländer vorhanden ist, sollte man es benutzen. Und manchmal ist die sicherste Entscheidung tatsächlich, einen nicht unbedingt notwendigen Weg auf später zu verschieben.
Ein Pinguin als kleine Gedankenstütze
Vielleicht liegt gerade darin der besondere Vorteil dieser Methode: Niemand muss sich komplizierte Bewegungsabläufe merken.
Wenn der Gehweg glänzt und der erste Schritt unsicher erscheint, genügt ein Gedanke:
Jetzt gehe ich wie ein Pinguin.
Man sieht dabei vielleicht für einige Minuten etwas ungewöhnlich aus. Aber ein würdevoller Pinguin ist allemal besser als ein unfreiwilliger Salto auf dem Gehweg.
Quelle: Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie (DGOU), Empfehlungen zur Sturzprävention bei Glatteis. Informationen der DGOU zum Pinguin-Gang
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