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Die zunehmende Aggressivität von Parkscheinautomaten

Früher reichte eine Münze. Heute verlangen Parkscheinautomaten Kennzeichen, Smartphone, App und vermutlich bald einen Lebenslauf. Prof. Dr. Heinz C. Schabulke erklärt, warum dahinter eine gefährliche Form der „Automatischen Behördenbildung“ steckt.

Es gehört inzwischen zum gesicherten Stand der Mobilitätswissenschaft, dass Parkscheinautomaten seit etwa fünfzehn Jahren ein deutlich dominanteres Sozialverhalten entwickelt haben. Ich habe bereits 2012 auf einem Fachsymposium in Bad Salzuflen darauf hingewiesen. Leider wollte damals niemand zuhören.

Früher war ein Parkvorgang von angenehmer Überschaubarkeit. Man führte einige Münzen mit sich, steckte sie in einen Schlitz und erhielt einen Parkschein. Das war ein Verhältnis auf Augenhöhe. Der Automat wusste, was er zu tun hatte, und der Bürger ebenfalls.

Heute verlangt derselbe Automat zunächst die Eingabe des vollständigen Kennzeichens, anschließend die Auswahl der Parkzone, danach die Bestätigung der Tarifgruppe, die Entscheidung zwischen Papier- und Digitalbeleg sowie gelegentlich die Zustimmung zu einer Datenschutzerklärung, die länger ist als das Bürgerliche Gesetzbuch.

Wer dabei länger als dreißig Sekunden nachdenkt, wird vom Display bereits mit auffälliger Passiv-Aggressivität darauf hingewiesen, den Vorgang endlich abzuschließen.

Darüber besteht in Fachkreisen seit Jahrzehnten Einigkeit.

Besonders bedenklich ist die zunehmende Arbeitsteilung zwischen Automat und Smartphone. Während der Automat behauptet, ausschließlich über die App erreichbar zu sein, erklärt die App ihrerseits, man möge den QR-Code am Automaten scannen. Der QR-Code verweist anschließend auf eine Internetseite, die empfiehlt, doch lieber die App zu benutzen.

Dieses Verfahren nennt die Informatik “Benutzerführung”. In der Geronto-Pedalogie sprechen wir dagegen seit Jahren von der zyklischen Bürgerermüdung.

Ich bezeichne dieses Phänomen als Automatische Behördenbildung.

Darunter versteht man den wissenschaftlich gut dokumentierten Vorgang, bei dem technische Geräte nach einer gewissen Betriebsdauer unweigerlich die Verhaltensmuster deutscher Verwaltungsstellen übernehmen. Zunächst verlangen sie nur eine Eingabe. Wenig später benötigen sie zusätzliche Angaben, deren Sinn sich dem Benutzer nicht erschließt. Schließlich beginnen sie, Verantwortung grundsätzlich an andere Geräte weiterzureichen.

Genau an diesem Punkt befindet sich der moderne Parkscheinautomat.

Es ist übrigens kein Zufall, dass man heute an vielen Automaten das Kennzeichen eingeben muss. Offiziell dient dies der Kontrolle. Tatsächlich gewöhnt man den Bürger langsam daran, sich unaufgefordert überall zu identifizieren. Bereits der berühmte Verkehrsphilosoph Ernesto Bellafonte schrieb 1968 in seiner kaum noch erhältlichen Monographie Der parkende Mensch: “Wer sein Kennzeichen freiwillig eintippt, wird später auch sein Geburtsdatum nicht mehr hinterfragen.”

Bellafonte verschwand bekanntlich kurz nach der Veröffentlichung spurlos in einer italienischen Tiefgarage.

Ich halte das nicht für einen Zufall.

Noch auffälliger ist allerdings die Sprache moderner Automaten. Früher stand dort schlicht: “Bitte Geld einwerfen.” Heute erscheint: “Vorgang konnte nicht abgeschlossen werden.” Das ist eine Formulierung, die keinerlei Schuldzuweisung enthält und dennoch ausschließlich den Benutzer für unfähig erklärt. Man erkennt darin bereits den Einfluss juristischer Textbausteine.

Sollte diese Entwicklung ungebremst weitergehen, rechne ich damit, dass Parkscheinautomaten spätestens ab 2031 berechtigt sein werden, Widersprüche gegen ihre eigenen Entscheidungen entgegenzunehmen. Die Bearbeitungszeit wird voraussichtlich sechs bis acht Wochen betragen.

Für besonders hartnäckige Fälle wird der Automat einen Termin vergeben.

Natürlich ausschließlich online.

Ich selbst führe deshalb seit Jahren grundsätzlich eine Zwei-Euro-Münze in der Jackentasche mit. Nicht weil ich glaube, sie noch verwenden zu können. Sondern um den Automaten daran zu erinnern, wie unsere Beziehung einmal begonnen hat.

Leider erkennt er mich inzwischen nicht mehr.

In diesem Sinne verbleibe ich Ihr

Prof. Dr. Heinz C. Schabulke
Emeritierter Spezialist für Geronto-Pedalogie
Ehemaliger Managing Director senior-tours.de
Institut für angewandte Altersmobilität,
Abteilung Rückenwindforschung

P.S.:
Allerdings habe ich mich schon 1987 während eines verkehrswissenschaftlichen Kongresses in San Marino geirrt. Damals hielt ich sprachgesteuerte Fahrkartenautomaten für eine alberne Idee. Drei Tage später wurde ich am Bahnhof Bologna von einem Prototypen beschimpft, weil ich den Regionaldialekt von Emilia-Romagna nicht ausreichend beherrschte.

Man lernt nie aus.

Prof. Dr. Heinz C. Schabulke - Seniorenbeirat Aar-Einrich
Emeritierter Spezialist für Geronto-Pedalogie. Forscht seit Jahrzehnten über das Älterwerden, Rückenwind und andere unterschätzte Wissenschaften. Seine Theorien sind umstritten. Seine Existenz auch.