Der Begriff „Letzte Hilfe“ macht zunächst neugierig. Während Erste-Hilfe-Kurse für viele selbstverständlich sind, wissen nur wenige, dass es auch Kurse gibt, die sich mit der Begleitung schwerkranker und sterbender Menschen beschäftigen. Der Seniorenbeirat Aar-Einrich hat gemeinsam mit dem Hospizservice des Landkreises Limburg-Weilburg einen solchen Kurs angeboten. Die Resonanz war außergewöhnlich groß. Dr. Harald Hanke, Mitglied des Seniorenbeirats Aar-Einrich, erläutert im Gespräch, was sich hinter ‚Letzter Hilfe‘ verbirgt und warum es sinnvoll ist, sich frühzeitig mit diesem Thema zu beschäftigen.
Herr Dr. Hanke, „Letzte Hilfe“ – das klingt zunächst ungewöhnlich. Was verbirgt sich hinter diesem Begriff?
Der Begriff ist bewusst gewählt. Ähnlich wie bei der Ersten Hilfe geht es darum, Menschen in einer schwierigen Situation nicht allein zu lassen. Der Unterschied ist allerdings grundlegend: Bei der Ersten Hilfe versuchen wir, Leben zu retten und die Lebensfunktionen zu erhalten. Bei der Letzten Hilfe geht es darum, einen Menschen am Lebensende zu begleiten, Leid zu lindern und möglichst viel Lebensqualität zu erhalten.
Braucht man dafür medizinische Kenntnisse?
Nein. Genau das ist ein wichtiger Punkt. Ein Letzte-Hilfe-Kurs macht niemanden zum medizinischen oder pflegerischen Fachmann. Er soll vielmehr Orientierung geben und dafür sensibilisieren, was ein schwerkranker oder sterbender Mensch braucht und was Angehörige, Freunde oder Nachbarn tun können.
Viele Menschen haben Angst davor, etwas falsch zu machen. Ist diese Sorge berechtigt?
Diese Unsicherheit ist sehr verständlich. Gerade wenn jemand schwer krank ist oder sich das Lebensende nähert, wissen Angehörige oft nicht, wie sie sich verhalten sollen. Dabei kann schon viel geholfen sein, wenn man da ist, zuhört, beobachtet und den Menschen nicht allein lässt.
Was vermittelt ein Letzte-Hilfe-Kurs ganz konkret?
Der Kurs soll zunächst helfen, die Situation eines Menschen am Lebensende besser zu verstehen. Die Teilnehmer bekommen Hinweise, worauf sie achten können und wie sie unterstützend handeln können. Gleichzeitig lernen sie auch, wo die eigenen Möglichkeiten enden und professionelle Hilfe notwendig wird.
Es geht also nicht darum, Angehörige zu Pflegekräften oder Hospizbegleitern auszubilden?
Ganz ausdrücklich nicht. Der Letzte-Hilfe-Kurs ist ein niedrigschwelliges Angebot, das Wissen vermittelt und Sicherheit geben soll. Wer Menschen professionell oder ehrenamtlich intensiver begleiten möchte, benötigt eine weitergehende und fundierte Qualifizierung.
Welche Rolle spielt dabei die Palliativ- und Hospizversorgung?
Viele Menschen wissen noch zu wenig darüber, welche Unterstützung es am Lebensende gibt. Palliative Versorgung kann sowohl stationär als auch ambulant erfolgen. Sie hat das Ziel, Beschwerden zu lindern und Lebensqualität zu erhalten.
Das heißt: Auch zu Hause kann ein Mensch am Lebensende begleitet werden?
Grundsätzlich gibt es ambulante Angebote. Gerade deshalb ist es wichtig, dass Betroffene und Angehörige wissen, welche Unterstützungsmöglichkeiten existieren und an wen sie sich wenden können. Ein Letzte-Hilfe-Kurs kann dazu beitragen, solche Möglichkeiten überhaupt erst kennenzulernen.
Warum sollte man sich mit diesem Thema beschäftigen, solange man selbst gar nicht unmittelbar betroffen ist?
Weil die Situation oft unerwartet entsteht. Plötzlich ist ein Familienmitglied, ein Freund oder ein Nachbar schwer erkrankt, und dann stellen sich sehr viele Fragen gleichzeitig. Wer vorher schon einmal erfahren hat, was am Lebensende wichtig sein kann, geht möglicherweise etwas sicherer damit um.
Kann aus einem solchen Kurs auch der Wunsch entstehen, sich selbst stärker zu engagieren?
Das ist durchaus möglich. Manche Menschen stellen fest, dass sie sich vorstellen können, andere auch über die eigene Familie hinaus zu begleiten. Allerdings ist auch hier wichtig: Ein Letzte-Hilfe-Kurs ist nur ein erster Einblick. Wer ehrenamtlich in der Hospizarbeit tätig werden möchte, braucht eine entsprechende Ausbildung und Begleitung. Gerade ehrenamtliche Helfer werden dringend gebraucht.
Was würden Sie jemandem sagen, der beim Thema Sterben zunächst zurückschreckt?
Ich würde empfehlen, sich trotzdem einmal mit dem Thema zu beschäftigen. Der Letzte-Hilfe-Kurs will keine Angst machen, sondern Wissen vermitteln und Unsicherheit nehmen. Niemand muss anschließend Hospizarbeit leisten. Aber jeder von uns kann irgendwann in die Situation kommen, einem nahestehenden Menschen beistehen zu wollen.
Herr Dr. Hanke, vielen Dank für das Gespräch.
Sehr gern. Wer sich für das Thema interessiert, sollte die Gelegenheit nutzen, einen Letzte-Hilfe-Kurs zu besuchen. Weitere Informationen gibt auch der Seniorenbeirat Aar-Einrich.

