Behördengänge sollen einfacher werden. Das versprechen Politik und Verwaltung seit Jahren.Nun geht man im Rhein-Lahn-Kreis einen Schritt weiter – und zwar konsequent.
Als Pilotprojekt testet die Kreisverwaltung Rhein-Lahn-Kreis derzeit einen vollständig digitalen Amtsgang von zuhause, inklusive virtuellem Wartezimmer. Ziel ist es, den Gang zum Amt realitätsnah abzubilden – nur eben ohne Anfahrt, Parkplatzsuche und Wartebank.
Was bedeutet „virtuelles Wartezimmer“?
Bürgerinnen und Bürger, die einen Online-Termin bei der Kreisverwaltung wahrnehmen, werden nicht sofort bedient. Stattdessen betreten sie zunächst ein digitales Wartezimmer – ganz so, wie man es kennt.
Der Ablauf:
- Online anmelden
- Digitale Wartenummer ziehen
- Platz nehmen im virtuellen Wartebereich
- Auf den Aufruf warten
Alles bequem vom Sofa aus – im gesamten Kreisgebiet.
Vertraute Atmosphäre – bewusst beibehalten
Damit sich insbesondere ältere Menschen sofort zurechtfinden, wurde auf eine realistische Umsetzung geachtet.
Das virtuelle Wartezimmer bietet unter anderem:
- eine leicht vergilbte Wandfarbe
- eine digitale Zimmerpflanze mit erkennbarem Staub
- dezente Hintergrundgeräusche (Husten, Rascheln, tiefes Seufzen)
- eine freundliche Stimme, die regelmäßig sagt:
„Bitte haben Sie noch einen Moment Geduld.“
Optional kann eine digitale Ablage mit Informationsmaterial eingeblendet werden – unter anderem mit Flyern, die seit mindestens 6 Monaten nicht mehr aktuell sind.
Besonders beliebt: die Wartezeit-Simulation
Ein zentrales Element des Pilotprojekts ist die authentische Wartezeit.
Das System zeigt:
- die eigene Wartenummer
- wie viele Personen „noch vor Ihnen“ sind
- dass sich diese Zahl zeitweise nicht verändert
- dass sie sich gelegentlich sogar wieder erhöht
Alle zwölf Minuten erscheint der Hinweis:
„Sie sind gleich dran.“
Datenschutz? Selbstverständlich.
Auch im virtuellen Wartezimmer gelten die Vorgaben des Datenschutzes:
- Wartezeiten werden nicht gespeichert
- Seufzer werden nur lokal verarbeitet
- Niemand kann sehen, wie oft Sie auf die Uhr schauen
Auf Wunsch kann die Kamera aktiviert werden. Das System blendet dann automatisch einen leicht geduldigen, aber sachlich-resignierten Gesichtsausdruck ein.
Erste Rückmeldungen aus dem Rhein-Lahn-Kreis
Aus der laufenden Testphase liegen bereits erste Rückmeldungen vor:
„Ich habe mich sofort wie früher gefühlt – nur ohne kalte Füße.“
„Endlich warten, ohne fahren zu müssen.“
„Das fühlt sich erstaunlich vertraut an.“
„Ich wusste gar nicht, wie sehr mir das Warten gefehlt hat.“
Gerade Seniorinnen und Senioren berichten, dass die bekannte Struktur Sicherheit gibt – auch im digitalen Raum.
Wie geht es weiter?
Das Pilotprojekt läuft zunächst in ausgewählten Bereichen der Kreisverwaltung. Bei erfolgreichem Verlauf ist eine Ausweitung vorgesehen, unter anderem auf:
- Einwohnermeldeangelegenheiten
- Kfz-Zulassung
- weitere Verwaltungsservices
In Planung ist außerdem ein digitaler Nummernautomat, bei dem die Taste gelegentlich nicht sofort reagiert – aus Gründen der Authentizität.
Fazit
Der digitale Amtsgang im Rhein-Lahn-Kreis zeigt:
Nicht alles muss neu erfunden werden. Manches darf ruhig so bleiben, wie man es kennt – nur eben online.
Und jetzt entschuldige mich bitte.
Meine Nummer wird gleich aufgerufen. Ich warte ja schon seit dem 1. April.
Alle neuen Artikel kostenlos direkt in Ihre Email-Inbox. So bleiben Sie immer auf dem Laufenden und verpassen nichts mehr. Melden Sie sich an!
Mitgestalten.Mitentscheiden.Mitwirken.
Der Seniorenbeirat der Verbandsgemeinde Aar-Einrich engagiert sich dafür, die Lebensbedingungen älterer Menschen zu verbessern.
Werden Sie aktiv im Seniorenbeirat Aar-Einrich

