Wie der Fisch in die Dose kam und weshalb NURI in Portugal Kult ist
Es gibt Lebensmittel, die man jahrzehntelang unterschätzt, bis man sie einmal mit Aufmerksamkeit probiert. Die Ölsardine gehört dazu. Auf den ersten Blick wirkt sie wie ein schlichtes Vorratsprodukt: Fisch, Öl, Dose. In Wahrheit steckt darin eine erstaunlich moderne Erfindungsgeschichte, ein handwerklicher Prozess mit klarer Logik und – im Fall Portugals – eine eigene Genuss- und Küstenkultur. Und dann gibt es diese eine Marke, die immer wieder als Türöffner in die Welt der „Conservas“ genannt wird: NURI aus Matosinhos bei Porto.
Von der Konservierungsidee zur Dose als Kulturtechnik
Dass Fisch in einer Dose so gut funktionieren kann, ist kein Zufall, sondern Ergebnis einer technischen Revolution des frühen 19. Jahrhunderts.
Die Grundidee ist verblüffend einfach: Lebensmittel werden in einem dicht verschlossenen Behälter erhitzt, sodass sie sicher haltbar werden. Erst dadurch wurde es möglich, empfindliche Produkte wie Fisch nicht nur zu „retten“, sondern über Wochen, Monate und sogar Jahre in gleichbleibender Qualität verfügbar zu machen.
Die Dose ist dabei mehr als Verpackung. Sie ist ein System: Luftdicht verschließen, anschließend erhitzen, dann ruht der Inhalt stabil und geschützt. Alles, was man heute an einer guten Ölsardine schätzt – saftige Struktur, runder Geschmack, klare Aromen – beginnt mit diesem Prinzip.
Warum ausgerechnet Sardinen in Öl zum Klassiker wurden
Sardinen sind für die Dose geradezu ideal. Sie sind klein, werden häufig in großen Schwärmen gefangen und haben genug Eigenfett, um beim Garen aromatisch und saftig zu bleiben. Öl übernimmt dabei gleich mehrere Aufgaben. Es trägt Geschmack, schützt zusätzlich vor Sauerstoffkontakt und bildet eine Art sanftes „Milieu“, in dem sich Textur und Aromen über die Zeit harmonisieren können. Entscheidend ist allerdings nicht das Öl allein, sondern die Kombination aus sauberer Vorbereitung, dichtem Verschluss und der anschließenden Hitzebehandlung in der geschlossenen Dose.
Der Weg vom Fang zur fertigen Ölsardine
Auch wenn die Details je nach Betrieb variieren, folgt die klassische Ölsardine einem klaren Ablauf. Der Fisch wird nach Größe sortiert, vorbereitet und gegart, bevor er in die Dose gelegt wird. Danach kommt das Öl hinzu, die Dose wird verschlossen und im geschlossenen Zustand erhitzt.

An diesem Punkt entscheidet sich viel: Wenn zu heiß oder zu lange gegart wird, wird der Fisch trocken und zerfällt. Wenn zu grob eingelegt wird, leidet die Struktur. Hochwertige Produzenten achten deshalb genau auf Schonung, Timing und Sorgfalt – das ist am Ende nicht romantisch, sondern schmeckbar.
Portugal und die Welt der Conservas
In Portugal sind Fischkonserven nicht nur Vorrat, sondern Teil des Alltags und zugleich ein Stück Identität. Matosinhos, direkt bei Porto, ist dafür ein Knotenpunkt: Hafen, Fischerei, Verarbeitung. Dort sitzt eine Manufaktur, die seit Jahrzehnten für eine sehr bestimmte Art von Dose steht – und die mit NURI eine Marke geschaffen hat, die weltweit als Inbegriff portugiesischer Sardinen gilt.
NURI und die Manufaktur Pinhais in Matosinhos
NURI wird bei Pinhais & Cª Lda. produziert, einer Konservenfabrik, die 1920 in Matosinhos gegründet wurde und bis heute eine traditionelle Produktionsweise betont. Gleichzeitig ist NURI nicht nur ein Name, sondern auch ein Stilversprechen: kräftige, klare Würzung, ordentlich eingelegte Fische und eine Verpackung, die bewusst an die klassische Ästhetik der Conservas-Kultur anknüpft. Pinhais beschreibt NURI zudem als Kultmarke und als Bestseller der eigenen Manufaktur.
Gerade diese Mischung aus Traditionsbewusstsein und Wiedererkennbarkeit macht einen Teil des Reizes aus. Wer eine NURI-Dose öffnet, soll nicht den Eindruck haben, ein anonymes Industrieprodukt vor sich zu haben, sondern etwas, das mit Handwerk und Routine entstanden ist – in der Nähe des Hafens, aus frischer Ware, mit einem Prozess, der nicht auf „schnell“, sondern auf „richtig“ ausgerichtet ist.
Zur Webseite der Manufaktur
Das große NURI-Sardinen-Kochbuch als Rettungsgeschichte
Bei NURI gibt es einen Punkt, an dem die Geschichte plötzlich sehr menschlich wird. Denn es existiert nicht nur ein Kochbuch zur Marke – sein Herausgeber wird zugleich als die Person genannt, die die Manufaktur vor dem endgültigen Aus bewahrt hat.
Jakob Glatz wird dort als Unternehmer vorgestellt, der 2016 die nahe Porto gelegene Sardinenfabrik Pinhais erwerben konnte, als deren Zukunft auf der Kippe stand. Damit bekam das, was viele an NURI schätzen – Handwerk, Kontinuität, Tradition – eine neue Chance.
Genau an dieser Stelle wird das Kochbuch mehr als ein schönes Nebenprodukt. Es wirkt wie ein Statement: Diese Dose ist nicht bloß schnell verfügbare Nahrung, sondern ein Lebensmittel, das man ernst nehmen darf. Ein Kochbuch verschiebt den Blick vom „Aufmachen und essen“ hin zu „Zutat und Genusskultur“. Es erzählt von Ort und Herstellungsweise, von Matosinhos und dem Hafen, und es macht aus der Dose einen Ausgangspunkt für Küche und Geschichten. Dass der Verlag in der Buchbeschreibung ausdrücklich von aufwendigen Arbeitsschritten und traditioneller Handarbeit in der NURI-Fabrik spricht, passt dazu wie ein roter Faden.
So wird verständlich, warum NURI in Diskussionen über hochwertige Ölsardinen so oft auftaucht. Nicht, weil es „nur“ um Marke geht, sondern weil hinter der Marke ein Betrieb steht, dessen Fortbestand an einer bewussten Entscheidung hing – und dessen Produkte genau diese Entscheidung im Alltag greifbar machen.
Ein stilles Fazit aus Öl, Zeit und Handwerk
Die Ölsardine ist ein Produkt, das aus einem praktischen Problem entstanden ist und sich zur Delikatesse entwickeln konnte. Die Dose steht für Sicherheit und Verfügbarkeit, aber im besten Fall auch für Sorgfalt.
Und NURI zeigt, dass handwerkliche Tradition nicht automatisch Vergangenheit sein muss, sondern eine Haltung, die man schmecken kann – besonders dann, wenn Menschen bereit sind, sie weiterzutragen.
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