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Das Kindererholungsheim Schloß Katzenelnbogen

Das Schloss Katzenelnbogen als evangelisches Kindererholungsheim für „Verschickungskinder“ von ca. 1948 bis 1971.

Bild: Postkarte, private Sammlung Volker Satony

Zwischen dem Ende des Zweiten Weltkriegs und etwa 1971 war Schloss Katzenelnbogen ein evangelisches Kindererholungsheim, das vor allem gesundheitlich geschwächte Kinder für mehrere Wochen zur Erholung aufnahm. [verschickungsheime+2]

Späte 1940er‑Jahre: Umbau zum Kinderheim

Kurz nach 1945 blieb das Schloss von direkten Kriegsschäden weitgehend verschont und bot damit der evangelischen Kirche einen geeigneten Standort für ein Heim. [wikipedia+1]
Nach Angaben aus der Heimortliste Rheinland‑Pfalz wurde das Schloss 1948 vom Evangelischen Hilfswerk zum Kinderheim umgebaut; Ziel war es, unterernährten, kriegsgeschädigten und sozial belasteten Kindern einen mehrwöchigen Erholungsaufenthalt zu ermöglichen.[verschickungsheime]​
Damit setzte sich die diakonische Tradition der Kirche fort, die in der Nachkriegszeit ein Netz von Kindererholungs‑ und Kurheimen in Deutschland aufbaute. [drk+1]

1950er‑Jahre: Etabliertes Kindererholungsheim

Ein bundesweites Verzeichnis der Kinderkurheime nennt das „Kindererholungsheim Schloß Katzenelnbogen“ mit frühester Erwähnung 1954 und als Träger das „Hilfswerk der Evang. Kirche in Hessen und Nassau, Innere Mission“. [geschichte.hu-berlin+1]
In der Heimortliste Rheinland‑Pfalz (Stand 1956) erscheint der Eintrag „56368 Katzenelnbogen/Taunus, Kindererholungsheim ‚Schloß Katzenelnbogen‘“; vermerkt sind 55 Betten, Aufnahmealter 6 bis 14 Jahre und ein Tagessatz von 3,70 DM. [verschickungsheime]​
Die Kinder kamen typischerweise auf Veranlassung von Ärzten, Jugendämtern oder Kirchengemeinden, um sich nach Krankheiten oder unter schwierigen Lebensbedingungen körperlich zu stabilisieren; Alltag und Freizeit waren von einem evangelisch‑diakonischen Erziehungsstil mit Gebeten, Andachten und gemeinschaftlichen Aktivitäten geprägt, wie es für solche Heime üblich war. [drk+1]

1960er‑Jahre: Ausbau und parallele Nutzung

Eine aktualisierte Heimortliste von 1964 führt das Kindererholungsheim erneut mit demselben Träger und nun 60 Betten, was auf eine leichte Erweiterung der Kapazität hindeutet.[verschickungsheime]​
Das Heim war Teil des bundesweiten Systems der „Kinderverschickung“, bei dem Kinder in den Ferien oder bei gesundheitlichem Bedarf für mehrere Wochen in Kur‑ oder Erholungsheime geschickt wurden; Initiativen wie „Aufarbeitung und Erforschung Kinderverschickung“ beschäftigen sich heute mit den Erfahrungen der dort untergebrachten Kinder. [verschickungsheime+1]
Für Katzenelnbogen ist belegt, dass das Schloss in dieser Zeit auch als Jugendherberge genutzt wurde, sodass Kindererholung, Jugendfreizeiten und Gruppenaufenthalte nebeneinander stattfanden. [burgen-und-schloesser+1]

Anfang der 1970er‑Jahre: Ende des Heimbetriebs

Die Heimortliste vermerkt, dass das vom Evangelischen Hilfswerk eingerichtete Kinderheim bis etwa 1972 betrieben wurde; um 1971/72 endet nach diesen Angaben die Phase als Kindererholungsheim.[verschickungsheime]​
Kurz danach wurde das Gebäude zu einem Hotel und Restaurant („Schloss Katzenelnbogen“) umgestaltet, womit sich die Nutzung von einem diakonischen Kindererholungsheim zu einer touristischen Gastronomieanlage wandelte. [wikipedia+1]

Rolle der Trägerorganisation

Das Hilfswerk der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau – später in die Diakonie integriert – war nach 1945 für Flüchtlingshilfe, Sozialarbeit und Gesundheitsfürsorge zuständig und richtete zahlreiche Kindererholungs‑ und Kurheime ein. [geschichte.hu-berlin+1]
Im Kindererholungsheim Schloss Katzenelnbogen stellte die Organisation Personal (Erzieherinnen, Diakonissen, Hauswirtschaft, medizinische Betreuung), organisierte die „Verschickung“ der Kinder und sorgte für eine Verbindung zur evangelischen Gemeindearbeit, etwa durch Gottesdienste und seelsorgerische Angebote. [drk+2]

Quellennachweis

  1. Burgen und Schlösser: „Geschichte von Schloss Katzenelnbogen.“ In: burgenundschloesser.de, o. J., online unter: https://burgenundschloesser.de/rheinland-pfalz/schloss-katzenelnbogen/geschichte.html (abgerufen am 25.01.2026).
  2. Verschickungsheime.de: „Die gesammelte Heimortliste Rheinland‑Pfalz von 1964.“ Eintrag: „Katzenelnbogen/Taunus, Kindererholungsheim ‚Schloß Katzenelnbogen‘ (Hilfswerk der Evang. Kirche in Hessen und Nassau, Innere Mission).“ In: verschickungsheime.de, 10.03.2025, online unter: https://verschickungsheime.de/heimortliste-rheinland-pfalz-von-1964/ (abgerufen am 25.01.2026).
  3. Verschickungsheime.de: „Kindererholungsheim‑Schloss‑Katzenelnbogen.“ Kurzbeschreibung und Hinweise zum Heim, in: verschickungsheime.de, 03.08.2022, online unter: https://verschickungsheime.de/heimortliste-rheinland-pfalz-von-1964/kindererholungsheim-schloss-katzenelnbogen-2/ (abgerufen am 25.01.2026).
  4. Forschungsprojekt „Kurheime und ‑heilstätten in der Bundesrepublik 1945–1989“ (Humboldt‑Universität Berlin / Deutsches Rotes Kreuz): Verzeichnis der Kinderkurheime, PDF vom 15.05.2025, Eintrag „Rheinland‑Pfalz – Katzenelnbogen, Kindererholungsheim Schloß Katzenelnbogen (Hilfswerk der Evang. Kirche in Hessen und Nassau, Innere Mission), früheste Erwähnung 1954“, online unter: https://www.drk.de/fileadmin/user_upload/06_Das_DRK/067_Geschichte/Verschickungskinder/Kinderkurheime-Verzeichnis_2025-05-15.pdf (abgerufen am 25.01.2026).
  5. Forschungsprojekt „Kurheime und ‑heilstätten in der Bundesrepublik 1945–1989“ (Humboldt‑Universität Berlin): Projektbeschreibung und Materialien, in: geschichte.hu-berlin.de, online unter: https://www.geschichte.hu-berlin.de/de/bereiche-und-lehrstuehle/sozial-wirtschaftsgeschichte/forschungsprojekte/hu-studie_kinder (abgerufen am 25.01.2026).
  6. Wikipedia: „Burg Katzenelnbogen.“ In: Wikipedia – Die freie Enzyklopädie, Version vom 09.09.2007 ff., online unter: https://de.wikipedia.org/wiki/Burg_Katzenelnbogen (abgerufen am 25.01.2026).
Herzlichen Dank an Volker Satony zur Einsendung des Fotos!
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