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# Mit eigenen Interessen und eigenen Maßstäben: Wie ältere Menschen soziale Medien nutzen
- URL: https://ghost2.stiehl-wolf.synology.me/mit-eigenen-interessen-und-eigenen-massstaben-wie-altere-menschen-soziale-medien-nutzen/
- Published: 2026-10-15T20:41:41.000Z
- Updated: 2026-10-15T20:41:41.000Z
- Description: Ältere Menschen nutzen soziale Medien mit eigenen Interessen und klaren Vorstellungen. Ein Forschungsprojekt regt dazu an, genauer hinzusehen – und digitale Begleitung stärker an ihren Bedürfnissen auszurichten.
- Author: ASW
- Tags: Blick über den Tellerrand

*Wer auf Facebook mitliest oder sich über WhatsApp austauscht, hat dafür ganz persönliche Gründe. Ein Forschungsprojekt zur Mediennutzung von Menschen ab 60 lädt dazu ein, genauer hinzusehen – und manche Vorstellung über ältere Menschen im Internet zu hinterfragen.*

Ein Veranstaltungshinweis aus der Nachbargemeinde, historische Bilder des Heimatortes oder ein praktischer Tipp für den Garten: Es gibt viele Gründe, soziale Medien zu nutzen. Nicht jeder möchte dabei eigene Fotos veröffentlichen, Beiträge kommentieren oder möglichst viele Kontakte sammeln. Manchmal genügt es, etwas Interessantes zu erfahren.

Gerade bei älteren Menschen wird diese zurückhaltende Nutzung leicht unterschätzt. Wer wenig sichtbar ist, wirkt womöglich unsicher oder unerfahren. Doch lässt sich aus der Zahl der Kommentare tatsächlich ablesen, wie gut jemand mit einem digitalen Angebot zurechtkommt?

Das Whitepaper „Wie nutzen Menschen 60+ Informationen auf sozialen Medien und Messenger-Apps?“ gibt Anlass, solche Annahmen zu überdenken. Es bündelt Ergebnisse eines von der Deutschen Forschungsgemeinschaft geförderten Projekts. Darin untersuchen Anna Sophie Kümpel, Luise Anter und Martin Fischer, wie ältere Menschen diese Dienste wahrnehmen und für ihre Informationsbedürfnisse nutzen.

## Stilles Mitlesen kann eine bewusste Entscheidung sein

Eine interessante Erkenntnis lautet: Zurückhaltung ist nicht automatisch ein Zeichen mangelnder Fähigkeiten.

Viele der untersuchten Personen nutzen soziale Medien gezielt. Sie lesen, was sie interessiert, folgen ausgewählten Seiten und lassen andere Funktionen unbeachtet. Manche möchten persönliche Erlebnisse nicht öffentlich teilen. Andere empfinden Diskussionen in Kommentarspalten als wenig hilfreich oder sehen schlicht keinen Grund, auf jeden Beitrag zu reagieren.

Darin können sich vertraute Gewohnheiten zeigen. Auch eine Zeitung lässt sich aufmerksam lesen, ohne anschließend einen Leserbrief zu schreiben. Wer auf Facebook Informationen aufnimmt, beteiligt sich ebenfalls am Informationsgeschehen – selbst wenn dies für andere kaum sichtbar wird.

Für die digitale Begleitung ergibt sich daraus eine wichtige Frage: Geht es darum, möglichst viele Funktionen zu beherrschen? Oder darum, diejenigen sicher nutzen zu können, die den eigenen Alltag bereichern?

## Die Interessen sind so vielfältig wie die Menschen

Ältere Menschen werden im Zusammenhang mit digitalen Medien häufig auf zwei Themen reduziert: den Kontakt zur Familie und Informationen über Gesundheit. Beides kann wichtig sein. Es beschreibt jedoch längst nicht die ganze Vielfalt.

Das Forschungsprojekt zeigt auch Interesse an Politik, Handwerk, Sport, Reisen und vielen weiteren Themen. Besonders bemerkenswert ist die Bedeutung örtlicher Nachrichten. Für viele Teilnehmende der Interviewstudie war Facebook eine wichtige Quelle für Informationen aus ihrer Umgebung, die sie anderswo nicht mehr oder nicht rechtzeitig fanden.

Das ist ein Denkanstoß für Vereine, Gemeinden und Seniorenvertretungen – auch bei uns in Aar-Einrich. Ein gut verständlicher Veranstaltungshinweis oder eine verlässliche Information über ein örtliches Angebot kann einen konkreten Unterschied machen.

Daraus folgt allerdings nicht, dass künftig alles ausschließlich über soziale Medien laufen sollte. Wer diese Dienste nicht nutzt, braucht weiterhin andere Zugänge. Teilhabe gelingt dort, wo Informationen die Menschen auf unterschiedlichen Wegen erreichen.

## Selbst entscheiden können

Viele Befragte möchten selbst bestimmen, welche Inhalte sie sehen. Positiv bewerten sie beispielsweise die Möglichkeit, interessanten Seiten gezielt zu folgen. Skeptischer betrachten sie häufig die automatische Auswahl von Beiträgen.

Diese Auswahl übernehmen sogenannte Algorithmen: technische Verfahren, die mitentscheiden, welche Inhalte auf einer Plattform erscheinen und in welcher Reihenfolge. Ihre Vorschläge können hilfreich sein. Sie können aber auch als unübersichtlich, aufdringlich oder bevormundend erlebt werden.

Der Wunsch nach Übersicht und Kontrolle verdient Beachtung. Wer eine unruhige Bildschirmansicht oder ständig neue Empfehlungen störend findet, muss deshalb nicht grundsätzlich Schwierigkeiten mit Technik haben. Möglicherweise entspricht das Angebot einfach nicht den eigenen Erwartungen.

## Gute Unterstützung geht über das Antippen hinaus

Für Lernangebote ergibt sich daraus ein hilfreicher Impuls. Natürlich bleiben grundlegende Fragen wichtig: Wie versende ich ein Foto? Wo finde ich eine Nachricht? Wie ändere ich eine Einstellung?

Wer diese Schritte bereits beherrscht, braucht möglicherweise andere Unterstützung: Warum wird mir dieser Beitrag angezeigt? Wie kann ich unerwünschte Inhalte reduzieren? Woran erkenne ich eine verlässliche Quelle?

Das Whitepaper empfiehlt, solche Fragen stärker aufzugreifen. Dabei geht es nicht darum, allen denselben Kurs anzubieten. Gute Begleitung knüpft an vorhandene Erfahrungen an und fragt zuerst, was jemand verstehen oder erreichen möchte.

## Ein genauerer Blick lohnt sich

Die Ergebnisse sollten nicht auf alle älteren Menschen übertragen werden. Die eigenen Befragungen des Projekts richten sich an Menschen, die entsprechende Dienste bereits nutzen. Die Erfahrungen von Menschen ohne Internetzugang oder mit großen Einstiegshürden werden dadurch nicht gleichermaßen erfasst.

Als Ideenimpuls ist das Whitepaper dennoch wertvoll: Es erinnert daran, ältere Menschen als eigenständige, interessierte und unterschiedliche Nutzerinnen und Nutzer ernst zu nehmen.

Für unsere Arbeit im Seniorenbeirat bedeutet das: zuhören, Interessen aufgreifen und passende Unterstützung ermöglichen. Digitale Teilhabe sollte Raum für eigene Entscheidungen lassen – auch für die Entscheidung, einfach aufmerksam mitzulesen.

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**Hintergrund zum Beitrag:** Ideenimpuls ist das Whitepaper „Wie nutzen Menschen 60+ Informationen auf sozialen Medien und Messenger-Apps?“ von Anna Sophie Kümpel, Luise Anter und Martin Fischer aus dem DFG-geförderten Forschungsprojekt zur Informations- und Nachrichtennutzung älterer Menschen. Es umfasst eine Auswertung der Forschungsliteratur, eine Interviewstudie mit 41 Teilnehmenden sowie zwei größere Online-Befragungen. Die Überlegungen zur Arbeit vor Ort sind redaktionelle Schlussfolgerungen aus diesen Befunden.

[Wie nutzen Menschen 60+ Informationen auf sozialen Medien und Messenger-Apps?von Anna Sophie Kümpel, Luise Anter und Martin FischerWhitepaper\_Older-Adults-Online\_DFG-Projekt.pdf916 KBdownload-circle](https://ghost2.stiehl-wolf.synology.me/content/files/2026/10/Whitepaper%5FOlder-Adults-Online%5FDFG-Projekt.pdf "Download")

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